Stadtteil im Ortsamt Klotzsche. Hellerau gehört zum "statistischen Stadtteil" 32 Wilschdorf/Hellerau, zu dem neben der Gemarkung Hellerau (einschließlich Rähnitz) noch die Gemarkung Wilschdorf gehört. Hellerau wurde 1950 nach Dresden eingemeindet. Der Name bedeutet "Au am Heller".

Geschichte
Das alte Bauerndorf Rähnitz (slaw. etwa Ort der Ranis) wurde erstmals 1268 urkundlich erwähnt. Die als Straßendorf angelegte Ortschaft ist eine der ältesten Ansiedlungen im Dresdner Norden, sie unterstand teils dem Amt Moritzburg ("Klöppelgemeinde"), teils über das Rittergut Döhlen dem Amt Dresden ("Bullengemeinde"). 1840 wurde Rähnitz selbstständige Gemeinde, der kirchlich vorher zu Reichenberg gehörige Ort 1913 auch eigene Kirchgemeinde.

Das eigentliche Hellerau hingegen ist kein auf dörfliche Ansiedlung zurückgehender Stadtteil, sondern eine Neugründung als "erste Gartenstadt Deutschlands" auf vormals Rähnitzer bzw. Klotzscher Flur.

Vorbild waren die englischen Wohnsiedlungen sozial denkender Unternehmer, die eine Alternative zu den ungesunden Mietskaserenvierteln der Großstädte suchten. In Hellerau war es der Tischlermeister Karl Schmidt, der Rähnitzer und Klotzscher Bauern den ohnehin nicht ertragreichen Boden abkaufte und hier seine "Deutschen Werkstätten für Handwerkskunst", aber auch den ersten Straßenzug "Am Grünen Zipfel" für seine Arbeiter errichtete. Die Pläne stammten vom Münchner Architekten Richard Riemerschmid. Weitere Teilsiedlungen folgten, die Gründung der Gartenstadtgesellschaft verhinderte Bodenspekulation und Mietwucher. Am "Gesamtkunstwerk Hellerau" wirkten neben Riemerschmid weitere bedeutende Architekten mit, so u.a. Herrmann Muthesius, Heinrich Tessenow, Wilhelm Kreis und Oswin Hempel.

Wolf Dohrn, ein begüteter Mitbegründer Helleraus, ermöglichte den Bau des Festspielhauses als "Bildungsanstalt für Musik und Rhythmus". Hier wirkte u.a. der Genfer Musikpädagogen
Emile Jaques-Dalcroze. Der erste Weltkrieg beendete diese künstlerische Entwicklung, die Hellerau weltberühmt gemacht hatte. Das Haus wurde bei den Nazis Polizeikasere, später zog die Rote Armee ein.

19381) wurden Rähnitz und Hellerau vereinigt, die Gemarkung Rähnitz wurde in die Gemarkung Hellerau integriert.
Die Eingemeindung nach Dresden erfolgte 1950.

ÖPNV einst & jetzt
Seit 1913 hat Hellerau eine Straßenbahnverbindung nach Dresden, von Beginn an war es (mit kurzer Unterbrechung) die Linie 8, mit der man direkt ins Szeneviertel Neustadt und die Innenstadt gelangt.

Rähnitz und der Nordrand von Hellerau werden außerdem durch eine Buslinie Richtung Klotzsche bzw. Trachau erschlossen.

Bebauung & Wohnen
Der heutige Stadtteil Hellerau besteht aus dem früheren Dorf Rähnitz, der Gartenstadt Hellerau sowie Stadtrandsiedlungen beidseitig der Autobahn. Hellerau repräsentiert neben den Gartenstadtsiedlungen um 1910 auch alle späteren Epochen des Eigenheim- und Siedlungsbaus des 20. Jahrhunderts. Um den Hellerauer Markt als Mittelpunkt des Stadtteiles befinden sich an der Westseite von Riemerschmidt entworfene eingeschossige Wohngebäude mit einer Ladenzeile, an den anderen Seite 1929/31 nach Plänen von Rudolf Kolbe errichtete mehrgeschossige Wohnbauten, ebenfalls teilweise mit Läden sowie einem Café.

Gesundheitswesen & Seniorenheime

Kirchen & Religionsgemeinschaften

Kultur & Freizeit
Ausstellungen und Veranstaltungen im Festspielhaus, um dessen Ausbau und zeitgemäße Nutzung sich seit 1990 u.a. die "Europäische Werkstatt für Kunst und Kultur Hellerau e.V." bemüht.

Einkaufen & Einkehren
Es existieren nur wenige kleinere Einkaufsmöglichkeiten am Hellerauer Markt und an der Ludwig-Kossuth-Straße, daneben gibt es einige Pensionen und Gaststätten im Gebiet. Ein Globus-Markt hat vor wenigen Jahren im Gewerbegebiet Rähnitz seine Tore geöffnet.

Lernen & Bilden

Die nächste Oberschule und das nächste Gymnasium befinden sich im benachbartem Klotzsche.

Arbeiten
In Hellerau selbst befindet sich der Traditionsbetrieb "Deutsche Werkstätten Hellerau", dessen Neubau gegenüber des historischen Werkgeländes 2006 fertiggestellt wurde.

Am Rande von Rähnitz entsteht gegenwärtig das neue Gewerbegebiet Airportpark, wo sich bereits AMTC und ein großer Baumarkt angesiedelt haben. In Hellerau selbst gibt kaum nennenswerte Arbeitsstätten, dafür relativ viel Industrie im benachbartem Klotzsche.


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