Nach jahrelangem Stillstand kam 2004 endlich Bewegung in den Wiederaufbau des Neumarktgebietes. In loser Folge finden Sie hier einen Überblick über die aktuellen Ereignisse:
Quartier I (Nordseite, sogenanntes Prisco-Areal)
Die Grundsteinlegung war am 23.10.2004. Parallel zum Ausbau der Keller wurde eine Verbindung der Tiefgarage zu der vom Hotel Hilton angelegt. Anfang September 2005 erreichten diese bereits das dritte Stockwerk, am 28.10.2005 feierte das Quartier sein Richtfest.
Am 22.09.2006 wurde das seinerzeit bereits zu etwa achtzig Prozent vermietete Quartier I feierlich eingeweiht. Im früheren Hotel Berlin zog das kleine 5-Sterne-Hotel QF ein, in die anderen Gebäuden mehrere Spezialitätenrestaurants, darunter mit "Ontario" das erste kanadische in Dresden, eine Apotheke sowie Delikatessengeschäfte, Schmuck, Luxusuhren, Erzgebirgskunst und Boutiquen. Die oberen Etagen werden vorrangig von Banken, Ärzten, einem Nobelfrisör und anderen Dienstleistern sowie durch einige Wohnungen genutzt.
Zur Geschichte der 4 äußerlich wieder historisch aufgebauten Gebäude siehe:
Erdmannsdorfsches Haus, Augustusstr. 8 (Fassade ocker)
Hotel Stadt Berlin, Neumarkt 1 (grünlich)
Weigelsches Haus, Neumarkt 2 (bräunlich)
Goldener Ring, Neumarkt 3 (hellblau)
Während die Front an der Töpfergasse mit angepassten Neubauten errichtet wurde, findet man zum Neumarkt zumindest äußerlich historische Bauten (darunter das sog. Weigelsche Haus). Aus Sicht etlicher Dresdner und Besucher erreichen insbesondere die Passage, aber auch die Bauten in der Töpfergase nicht die erwartete architektonische und ausführungsseitige Qualität, dennoch kann man von einem zumindest straßenseitig insgesamt gelungenen Ensemble sprechen.
Quartier II (Nordostseite)
Östlich neben der Frauenkirche und südlich vom Coselpalais errichtete die Vermögensverwaltungskanzlei zu Dresden (V.V.K.) neben 5 anderen historischen Gebäuden gleich 3 sogenannte Leitbauten wieder. Die Grundsteinlegung durch den Investor erfolgte im November 2004 nach Beseitigung der alten Keller.
V.V.K. waren die (bisher) einzigen Investoren, die ihre Fassaden vollständig nach barockem Vorbild gestalteten1). Die originalen Vorbilder aus der ersten Hälfte des 18.Jh. hatten so klangvolle Namen wie "Zum Schwan" und "Zur Glocke".
1) Lediglich die zwei Ersatzbauten für relativ unbedeutende Vorgänger ohne barocken Schmuck an der Salzgasse wurden modern aber angepassst gestaltet. In die gesamte Erdgeschosszone sind inzwischen Gaststätten, oft bis in die erste Etage ausgedehnt, sowie einige Souvenierläden eingezogen.
siehe auch
Carree an der Frauenkirche
Haus "Zum Schwan", An der Frauenkirche 13
Haus "Zur Glocke", An der Frauenkirche 14
Haus Rampische Straße 1, Ecke An der Frauenkirche
Im Anschluss an die V.V.K-Bauten in der Salzgase werden derzeit die Keller der erst in den 1930er Jahren errichteten Wohnblöcke freigelegt. Damals wurden offenbar ältere Keller der Vorgängerbauten mit einbezogen bzw. überbaut. Deutlich sind teilweise zweietagige Keller aus unterschiedlichen Materialien zu erkennen. In diesem Bereich befand sich noch bis Anfang des 20.Jh. eine mittelalterliche Bebauung mit der seinerzeit bekannten Gastwirtschaft Mittmanns Restaurant.
Etwas weiter weg vom Neumarkt wird die GHND das Bürgerhaus Rampische Straße Nr. 29 aufbauen. Die archäologischen Grabungen und die Freilegung der historischen Kellerreste sind abgeschlossen, derzeit werden die Kellerreste verfestigt und saniert. Am 08.12.2007 war Grundsteinlegung und Deckenfest am Haus Rampische Straße 29.
Quartier III (Ostseite mit Abriss des Erweiterungsbaus am Polizeipräsidiums)
Nachdem die Sanierung der gründerzeitlichen Polizeidirektion nahezu abgeschlossen war, wurden auch die Abrissarbeiten an dem aus DDR-Zeiten stammenden Erweiterungsbaus am ehemaligen Polizeipräsidium abgeschlossen. Der Abriss machte den Weg frei für die Wiedererrichtung wichtiger historischer Bauten wie z.B. des Palais Hoym.
Fast fertig ist hingegen die Bebauung am Neumarkt selbst (ehem. Mübau-Areal), wo die Baywobau (baute bisher im Quartier IV) bis 2008 5 exclusive Bürgerhäuser (wieder-)errichtet. Ab Februar 2007 wurden die Bodenplatten dieser Häuser gegossen, Anfang Mai erfolgte die offizielle "Grundsteinlegung" auf der Bodernplatte des Erdgeschosses, da waren die 2 Untergeschosse schon fertig! Während die Erdgeschosse monolitisch hochgezogen wurden, erfolgte die Montage der oberen Geschosse in Plattenbauweise (davon wird künftig allerdings wenig zu sehen sein, verschwinden doch die Platten hinter Barock-, Neorrenaissance- und modernen Fassaden). Die Rohbauten samt Dachgeschosse waren im wesentlichen Oktober 2007 fertig, die Übergabe der Geschäfte und Gaststätten erfolge Sommer 2008.
Am 26.10.2007 wurde am "Juwel an der Frauenkirche", so der künftige Name des Baywobau-Areales, Richtfest gefeiert, die feierliche Einweihungsfeier erfolgte am 23.05.2008.
Die Fassadenentwürfe für die beiden Häuser Neumarkt 6 und An der Frauenkirche 22 gewannen Dresdner Architekten. Beide platzieren zwischen historische Leitbauten moderne Fasssaden.
Genaue Anzahl und exakte Hausnummern der Häuser sind nicht nur in diesem Lexikon ein "kleines Problem": manchmal beziehen sich die Angaben auf den Vorkriegszustand, manchmal auf die neuen, oft durch Zusammenlegung zweier historischer Flurstücke entstandenen neuen Bürgerhäuser und deren neu festgelegte Postanschrift. So trägt beispielsweise der moderne Neubau neben dem Eckgebäude heute die Hausnummer 20, sein Vorgänger trug hingegen die Nummer 22.
Im gleichen Quartier, direkt gegenüber vom fertigen Teil vom Q II, errichtete ein privater Investor aus Baden-Württemberg zwei frühere Bürgerhäuser neu. In das Ende September 2008 fertiggestellte Gebäude zog u.a. das Restaurant Augustinerkeller ein.
Quartier IV (Südostecke mit Salomonis-Apotheke, Hotel de Saxe, British Hotel)
In diesem Areal ist der Bau am deutlichsten fortgeschritten: bei der Salomonis-Apotheke und dem eigentlichen Hotel de Saxe ist der Hochbau abgeschlossen. Die beiden von Baywobau für die Hotelkette Steigenberger in Stahlbeton ausgeführten Gebäude erscheinen nur äußerlich in "historischem Gewand", an den Seitenfronten schließen sich zudem noch zwei modern aber gut angepasste Neubauten an, in der Landhausstraße gehört noch ein fünftes Haus mit Rokokofassade zum neuen Hotelkomplex. Unter dem Hotel befindet sich -im Neubau an der Landhausstraße- die Einfahrt der Neumarkt-Tiefgarage.
Freiberger Schankhaus
Als erstes Restaurant in einem der neu errichteten Gebäude um den Neumarkt wurde inzwischen das "Freiberger Schankhaus" in der ehemaligen Salomonis-Apotheke eröffnet, das Hotel selbst öffnete am 03.04.2006.
Neben dem eben genannten Rokokobau ist als sog. Leitbau der Wiederaufbau des British Hotel vorgesehen.
Quartier V (Südwestecke)
Als ersten Bau in diesem Quartier will die Diakonie-Stiftung Martinshof das Heinrich-Schütz- und das Köhlersche Haus wieder aufbauen. Unmittelbar hinter der heutigen Wohn- und Geschäftsbebauung der Wilsdruffer Straße werden komfortable Wohnungen für ältere Menschen entstehen.
Schützhaus
2007/08 war ein Streit um den in modernen Formen geplanten Neubau zwischen Schütz- und Köhlerschen Haus entbrannt. Stadt und der Investoren wollten mit dieser Lösung architektonisch zur vorhandenen Nachkriegsbebauung an der Wilsdruffer Straße vermitteln.
Die GHND hingegen lehnte den Bau in dieser Form ab ().
Zwischen Hotel de Saxe und dem Schützhaus könnte das Hotel Stadt Rom wieder aufgebaut werden. Die Investoren der beiden benachbarten Grundstücke würden das frühere Hotel gern selbst wieder aufbauen, wenn auch derzeit nur um etwa 1/3 verkürzt.
Quartier VI (mittlere Südwestseite)
Quartier mit Regimentshaus, Dinglinger Haus [2.] Frauenstraße 9 und evtl. später einem Nachfolgebau für das 1791 abgerissene alte Gewandhaus [1.] (Streitpunkt, siehe
)
Anfang Mai 2007 erfolgte die Auswertung des Gestaltungs-wettbewerbes zu einem (in jedem Fall modernen) Gewandhaus. Sieger wurde das Stuttgarter Büro Cheret & Bozic. Das äußerst umstrittene Gebäude soll als Kunsthalle für moderne Kunst genutzt werden. Der moderne Bau stieß allerdings bei vielen Dresdnern auf heftige Kritik. ( )
Anfang Juni 2007 machte die GHND den Vorschlag, auf dem Grundstück des alten Gewandhauses eine sog. Gewandhaus-Terrasse zu gestalten. Dabei sollen der Verlauf der mittelalterlichen Stadtmauer einschließlich der wegen des Tiefgaragenbaus beseitigten Barbakane im Pflaster sichtbar gemacht werden.
Im November 2007 wollen Stadtrat und Stadtverwaltung für 165.000 € eine Simulation des Siegerentwurfes mit an einem Gerüst aufgehängten Planen aufstellen, die Projizierung der etwas weiter dahinter liegenden "Semperschen Ladenfront" hingegen wurde vom Stadtrat abgelehnt.
Im April 2008 beschloss der Stadtrat, "auf dem Grundstück des ehemaligen Gewandhauses nicht unter zehn Jahren Hochbauten zu errichten". Die Freifläche soll gestaltet und "die Wiederherstellbarkeit der historischen Fassade des dahinter liegenden Gebäudes" geprüft werden. Mit dem letzten Satz bleibt leider weiterhin offen, ob die historische Platzfront mit den "Semperschen Ladenbauten" wiedererrichtet wird, oder ob Dresden über Jahrzehnte mit einer weiteren unschönen Brandmauer leben muss. (Quelle: Amtsblatt)
Weitere Infos zum Quartier VI siehe Aktuelles aus Dresden
Quartier VII (nördlich vom Kulturpalast, derzeit Parkplatz )
Auch für das Geviert hinter dem Kulturpalast gibt es jetzt einen "ersten Platz". Der Entwurf der "dd1 Architekten" sieht eine historische Bebauung Schloßstraße und Sporengasse vor, gegenüber dem Kulturpalast aber moderne Häuser mit relativ hohem Wohnanteil vor. An der Sporergasse sind vier Leitbauten eingeordnet: das Fürstliche, Caesaresche, Triersche und das Dinglinerhaus.
Die Galeriestraße wurde Ende 2006/Anfang 2007 im nördlichen Abschnitt an ihren historischen Verlauf zum Jüdenhof verlegt.
Quartier VIII (zwischen Schloss und Johanneum, in Vorbereitung bzw. in Arbeit!)
siehe folgende wiedererrichteten Gebäude
Löwenhaus
Bosesches Haus
Zechsches Haus
Zehmsches Haus
Hoffmannseggsches Haus
Fraumutterhaus
Freiflächen
Praktischt abgeschlossen ist auch die Platzgestaltung selbst:
rund um das Luther-Denkmal wurde der gesamte Platz historisch aussehend - aber leider nicht historisch getreu - neu gepflastert.
An der Linie der mittelalterlichen Stadtmauer vom Johanneum bis zum Hotel de Saxe wurden Anfang Oktober 2005 drei große Stahlguss-Kandelaber montiert. Sie ergänzen die Ausstattung des gesamten Areals mit rund 100 weiteren Kandelabern, Mast- und Wandleuchten, die alle gründerzeitlichen Vorbildern nachempfunden sind. [12]
Stand: 20.05.2008, teilweise 09.04.2010/29.10.2011 (aber nicht unbedingt bei jedem Quartier)