Nun ist es doch vorbei. Keine Chance mehr, die hoch gelobte Kräutersiedlung in Gorbitz weiter zu bauen. Dieser Tage begann der Abriss der alten Plattenbauten auf den vorgesehenen Bauabschnitten 3 und 4.

"Wir haben noch alles versucht in den vergangenen Wochen, waren beim Freistaat, sind sogar bis zum Bauministerium in Berlin gegangen", berichtet Jürgen Hesse, Vorstand der Eisenbahnerwohnungsbaugenossenschaft. In Berlin habe man zwar viel moralische Unterstützung bekommen, aber leider auch kein Geld. Denn an dem fehlt es, deshalb ist jetzt Schluss. Damit nicht noch die bewilligten Fördermittel für den Rückbau - 70 Euro pro Quadratmeter - verfallen, mussten jetzt die Abrissbagger anrücken. "Es ist sehr, sehr schade", sagt Hesse. Aber die benötigten Fördermittel von Stadt, Land und Bund sind nicht verfügbar. Die Banken haben zudem ein zusätzliches finanzielles Risiko abgelehnt.

"Das Lob ist gut, aber Geld wäre besser", meint Hesse. Trotzdem hört man schon den Stolz heraus, wenn er von den vielen Delegationen spricht, die mehrmals die Woche nach Gorbitz kommen, um sich diese so außergewöhnliche Form der Platten-Transformation abzuschauen. "Die Gäste kommen aus ganz Deutschland, aber auch aus dem Ausland, aus Norwegen zum Beispiel, aus der Schweiz oder Polen", sagt er. In erster Linie seien es Bauleute, Architekten. Aber auch Kommunalpolitiker wollen sich etwas abgucken.

Umso tragischer, dass auch der große Zuspruch nicht ausreicht, um die Sache ganz zu Ende bringen zu können. Jürgen Hesse schließt aber nicht aus, an anderer Stelle im Plattenbaugebiet Gorbitz später einmal eine ähnliche Aktion zu starten: Platten-Rückbau auf die ganz andere Art. Und vielleicht gelingt es dann ja wieder, erneut viel Lob und dann vielleicht auch wieder mehr Geld zu erhalten.

Heidrun Hannusch


Dieser Artikel stammt aus der DNN vom 09.10.2004